Europaschule
Berufskolleg Barmen

"Lernen mit allen Sinnen"

Von einem nicht alltäglichen Schultag

-Ein Projekttag mit FIAN für Vielfalt, Menschen- rechte und Partizipation und gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausbeutung-

Im  Reliunterricht sensibilisierte Frau Linke uns, Schüler und Schülerinnen der HA413, für das Thema Armut. 
 
 
 
Auf dem Projekttag am 13.12.2013 aktivierten  NORA und TATJANA von der Menschenrechtsorganisation FIAN dann nachhaltig all unsere Sinne für dieses Thema. Frau Linke fotografierte fleißig und legte uns die Fotos von diesem etwas anderen Schultag rückblickend vor. Jeder durfte sich eins aussuchen und sollte es zum Sprechen bringen, um nochmals Revue passieren zu lassen, welche Erkenntnisse wir durch diesen Projekttag gewonnen haben, aber auch um als Multiplikator unser Erleben an Sie weiterzugeben.


Jacqueline: 
Wir trafen uns im Inforaum. Die Touristikkaufleute RV113 gesellten sich zu uns. Gespannt warteten wir noch auf die Referentinnen. Frau Wiechmann teilte uns ein Quiz über Uganda aus, bei dem ein Preis winkte. Ich hätte gerne etwas gewonnen, allerdings musste ich an dieser Stelle feststellen, dass ich doch recht wenig bis gar nichts über dieses Land wusste. Mein Trost: Anderen ging es ähnlich. 




Kaniye: 
Hier stellten sich uns die beiden Vertreterinnen der Menschenrechtsorganisation FIAN vor. Sie waren uns auf Anhieb sympathisch. Ich habe erfahren, was sich hinter dieser Abkürzung verbirgt.
F: Food-First
I: Informations- und
A: Aktions-
N: Netzwerk
Find ich klasse, dass es eine Nichtregierungsorganisation gibt, die sich für das Menschenrecht auf Nahrung einsetzt. Ich kannte sie vorher nicht und Sie?


Daniel:  
Nora begann mit einem Kennenlernspiel. Jeder sollte seinen Namen  und ein Produkt aus fernen Ländern nennen. In einer weiteren Runde sollten wir unsere Namen und ein Menschenrecht nennen. Ich hatte den Eindruck, dass uns die Nennung von Produkten aus fernen Ländern einfacher fiel als die Nennung von Menschenrechten. Scheinbar  sind Menschenrechte für uns hier so selbstverständlich, dass sie uns schon gar nicht mehr als solche bewusst sind.



Betül:
Anschließend  sahen wir  Fotos vom Leben der Menschen in Uganda und lauschten dem Vortrag von Tatjana. Danach hätten wir das Quiz problemlos geschafft. Wir erfuhren in etwa Folgendes:
Uganda liegt im Osten Afrikas und umfasst ca. 2/3 der Fläche Deutschlands. Kampala ist Ugandas Hauptstadt, die nahe am Victoriasee liegt und  ungefähr 1,6 Millionen offiziell registrierte Einwohner hat.  Uganda hat ca. 34 Millionen Einwohner, die sich auf 4 Königreiche verteilen und von denen 90 % auf dem Lande leben. Uganda beherbergt mehr als 40 verschiedene Volksgruppen. Die Lebenserwartung der Menschen liegt bei 52 Jahren, das liegt ca. 25 Jahre unter der Lebenserwartung der Deutschen. Ca. 83 % aller Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Vor allem Kaffee, Tabak, Tee und Baumwolle werden für den Export angebaut, Bananen, Hirse, Maniok, Süßkartoffeln, Zuckerrohr, Mais und Erdnüsse für den Eigenbedarf. Erstaunt hat mich, dass ein großer Teil der Bevölkerung  von einigen Tieren (Rinder, Ziegen oder Geflügel) und von dem, was er selbst anbaut, leben kann. Uganda hat trotz Äquatornähe ein gemäßigtes tropisches Klima und kann sich an einer reichen Tier- und Pflanzenwelt erfreuen. Eine Vielzahl von verschiedenen Antilopenarten, Großkatzen wie Löwen, Leoparden und Geparden, Zebras und verschiedene Affenarten wie Paviane, Schimpansen und Berggorillas sind in Uganda zuhause. Aber wirklich verblüfft hat mich, dass der Altersdurchschnitt bei 15 Jahren liegt, ca. 50 % der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Davon kann Deutschland nur träumen.
 
 

Daniel:
Dann berichtete Nora uns von folgendem Fall: Im August 2001 vertrieb die ugandische Armee mehr als 2.000 Menschen aus vier Dörfern bei Mubende, weil die Regierung deren Land an die Kaweri Kaffee-Plantage verpachtet hatte, die darauf eine Kaffeeplantage errichtete. Kaweri ist eine Tochterfirma der Neumann Kaffee Gruppe in Hamburg.?Im Zuge dieser Vertreibung verloren alle ihre Existenz und einige sogar ihr Leben. Während die Menschen früher von ihrem Vieh und den Erträgen ihrer Äcker leben konnten, mussten sie als Vertriebene nun plötzlich hungern.  FIAN  nahm sich des Falls an und unterstützt die Vertriebenen seit Jahren im Kampf um ihre Rechte. Sie reichten 2002 Klage gegen die ugandische Regierung und die Kaweri -Kaffee Plantage ein, doch das Gerichtsverfahren wurde nach allen Regeln der Kunst bis 2013 erfolgreich verschleppt. Bis heute wurden die Vertriebenen zwar noch nicht entschädigt, aber ein Urteil ist 2013 gefällt worden.
Mir wurde durch die Schilderung bewusst, dass Hunger  eine Menschenrechtsverletzung ist, die auch durch Machtmissbrauch und Profitgier nachhaltig erzeugt werden kann. Mir wurde aber auch bewusst, dass ich auf der Sonnenseite lebe, dass ich einfach Glück gehabt habe, weil ich zufälligerweise in Deutschland  und nicht in Mubende geboren worden bin. 
 


Cansel:
Anschließend präsentierte Nora uns das Planspiel: Unsere Aufgabe war es, eine außergerichtliche Lösung dieses Falles  zu erarbeiten.
Nachdem wir mit der Ausgangssituation vertraut waren, fanden wir uns in verschiedenen Gruppen zusammen. Jede Gruppe bekam eine Rollenkarte, entweder als Vertriebener, Plantagenbetreiber, Regierungs- oder FIANmitglied  und zog sich in einen Raum zurück. Jede Gruppe versetzte  sich in die ihr zugewiesene Rolle und plante  Strategien und Handlungsschritte, um ihre Interessen und Ziele zu verwirklichen. 
Ich habe in meiner Gruppe bemerkt, wie sehr man sich darauf versteifen kann, nur die eigenen Interessen im Blick zu haben und die berechtigten Interessen anderer auszublenden. Ich habe aber auch festgestellt, dass ein solches Denken zu Ungerechtigkeit, Armut und Ausgrenzung führt und Unfrieden hinterlässt.


Fatih:
Dann wurden die Gruppen neu zusammengesetzt. Jede Gruppe bestand jetzt aus mindestens einem Plantagenbetreiber, einem Vertriebenen, einem Regierungsmitglied und einem FIAN- Mitglied und hatte die Aufgabe eine außergerichtliche Lösung zu erarbeiten und diese schriftlich zu fixieren. Jedes Gruppenmitglied musste sich dazu die Sichtweise der anderen Betroffenen anhören und sich damit auseinandersetzen. 
Ich erlebte, wie schwierig es ist, zu einer gerechten Lösung zu kommen, wenn unterschiedliche Interessen im Spiel sind und zudem Macht ungleich verteilt ist. Deutlich wurde mir auch, wie wichtig die Arbeit von Nichtregierungs-   organisationen ist, die sich der Rechte der Menschen „ohne Macht“ annehmen.


Ali:
Mein Gruppenmitglied Dalin D. präsentierte unser Gruppenergebnis  locker und professionell. Ich war beeindruckt.


Hier stellt Vanessa F. aus einer anderen Gruppe souverän das Gruppenergebnis vor. Es kamen alle Gruppen zu Wort und die erarbeiteten Lösungen waren recht unterschiedlich.

In einer Gruppe gingen die Interessen so weit auseinander, dass eine einvernehmliche Lösung nicht erzielt werden konnte. Auch das spiegelt  Wirklichkeit wieder. Die Arbeit in der Gruppe machte mir aber deutlich, dass es gut ist, ein Problem kommunikativ anzugehen und dass Teams wichtig sind, weil unterschiedliche Menschen mit ihren vielfältigen Fähigkeiten und Ideen viele kreative Problemlösungen zutage fördern.

Kaniye/Jacqueline:
Nun, ohne die Touristikkaufleute, reflektierten wir, wie realistisch die erarbeiteten Lösungen sind und unsere ganz persönlichen Möglichkeiten zur Behebung der Armut. Wir durchdachten die dargebotenen Lösungen und erkannten, dass nahezu alle erzielten Lösungen zur finanziellen Belastung der Kaffeeplantagenbetreiber führen würden, die wiederum in Folge den Kaffeepreis erhöhen würden, den dann jeder einzelne zu zahlen hätte. Ob jeder einzelne aber dazu bereit sein würde, blieb offen. Mir wurde bewusst, wie wichtig die Aufklärung über Zusammenhänge zwischen unserem Konsumverhalten und der Lebenssituation der Menschen in Uganda ist.  Ich entdeckte in der Diskussion meine individuelle Möglichkeit der kleinen Schritte, nämlich : bewusster weniger einkaufen -dadurch weniger wegwerfen – das eingesparte Geld in ein fair gehandeltes Produkt fließen lassen-

William:
In WiO-Fit nahmen wir das Thema „Recht auf Nahrung“ über Hand, Nase und Mund wahr. Wir lernten exotische Früchte  aus Uganda wie Kochbananen, Süßkartoffeln, Maniok und Cocoyams kennen und wertschätzen.
 
 
 
Christa Linke